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Warum verzichtet man bei der Flugbuchung auf Billigflieger?

Der erste Grund ist offensichtlich: Weil der Linienflug preislich entsprechend bzw. günstiger ist. Andererseits erhofft man sich dadurch zusätzlich mehr comfort, bessere Flugzeuge, freundlicheres Personal und vor allem eine einfacherer Anreise an den Urlaubsort -- ohne große Umwege, da der Flugplatz z.B. am Arsch der Welt liegt oder der Flug über Istanbul günstiger ist als ein Direktflug. Die Wahl von Linienflügen sollte also zu Zeitersparnis und geruhsamerer Reise führen. Ich schreibe hier jedoch bewusst sollte.
In meinem Fall hatte ich einen Linienflug mit der SAS am Fr. Abend, 22:00 Uhr nonstop von Düsseldorf nach Stockholm gebucht. Jetzt hatte jedoch die SAS mit Streik gedroht, worauf profilaktisch an meinem geplanten Reisetag die Flüge nach Stockholm annulliert wurden. Wie es der Zufall so will, erfuhr ich dies jedoch noch rechtzeitig und über Umwege bei Expedia und Endloswarteschleifen bei SAS erhielt ich eine Umbuchung auf einen Flug über Frankfurt nach Stockholm. Hier fängt der eigentliche Witz an. Ich sollte also von Düsseldorf nach Frankfruth fliegen um von dort aus einen flieger nach Stockholm zu nehmen. Jeder, der ein bisserl in Geographie aufgepasst hat, wird jetzt bemerkt haben, dass Frankfurt nicht auf dem Weg nach Stockholm liegt sondern entgegengesetzt... aber sei's drum... meine neuen Flugdaten lauteten also: Abflug Düsseldorf 10:05 Uhr, Landung Frankfurt 11:00 Uhr, Abflug Frankfurt 12:15, Landung Stockholm Arlanda 14:15... soweit so gut...
Sa morgen geht's los. Um 6 Uhr mit dem Auto nach Düsseldorf. Am Check-in die nächste Überraschung. Die Systeme verweigern die Ausgabe eines Boardingpasses für den Flug Frankfurt-Stockholm. Also wird mein Koffer durch bis Stockholm gebucht und ich erhalten einen Boardingpass bis Frankfurt. Dort soll ich mich direkt an das nächst beste Gate wenden, um dort einen neuen Boardingpass für meinen Anschlussflug zu bekommen. Klingt einfach... war es aber nicht, denn... Kurz vor Abflug frage ich abermals nach, doch immer noch ist kein Anschlussticket zu bekommen. Stattdessen erhalte ich die interessante Information: Das muss ein Buchungsfehler sein. Sie sind auf einen Flug nach Stockholm gebucht, der zeitgleich mit Ihrem Zubringer abfliegt. Der Information misstrauend gehe ich der Sache eigenhändig nach und erfahre nach einem Telefonat mit meinem guten Freund Sven, dass mein Flug im Netz annulliert steht. Interessanter Weise jedoch ist er immer noch online buchbar. Wer hat das programmiert?
Also steige ich auf gut Glück in einen Flieger nach Frankfurt um dort irgendeinen Anschlussflug nach Stockholm zu bekommen. Der Flug verläuft 2normal". Mit etwas Verspätung lande ich in Frankfruth und kaum aus dem Flugzeug stürze ich mich auf die nächste Flugdame. Sie schickt mich weiter zu irgendeinem Schalter neben Gate 15, der aber geschlossen ist. Hier erfahre ich, dass ein betreffender Schalter neben Gate 10 liegen soll, der nichtmals existiert. Ich frage mich weiter durch und lande schließlich in einer ewig langen Schlange vor den Ticketschaltern außerhalb des Sicherheitsbereiches in der Eingangshalle des Flughafens. Warten... warten... irgendwann bringt ein Mädl ein Glas stilles Wasser vorbei... immerhin eine nette Geste... warten... warten... Eine Reisegruppe neben mir hat Ihren Anschlussflug verpasst, Sie kommen aus Florida (Miami) und wollen nach Berlin.... Warten ... warten... Im Schneckentempo nähere ich mich dem Schalter. Dort eine freundliche Stimme: "Wohin soll ich sie umbuchen?" -- "Stockholm" -- "ne, da ist alles voll. Wie wäre es mit Koppenhagen" -- "ne.. eher noch Göteborg" -- "ne, dann setze ich Sie auf die Warteliste für den Flug um 16:00 Uhr nach Stockholm" -- "ok..wie lang ist diese Liste denn" -- "sehr lang" -- "wie sieht es mit Flügen morgen aus" -- "alles zu.. sorry.. kann hier nichts mehr für Sie tun" -- "was soll ich machen, wenn's nicht klappt" -- "hierhin zurück kommmen" -- "kann ich heim und das geld wiederbekommen" -- "da müssen Sie sich an SAS wenden. Ich kann Ihnen nur den Flug zurück buchen" -- "naja.. ich versuche es erst ma mit der Warteliste" ... na toll, vorläufig habe ich jetzt eine Boardingkarte. Jetzt habe ich 2,5 h zeit bis zum Boarding um 15:35... Zeit tot schlagen... irgendwo was unalkoholisches zu trinken erstehen (gar nicht so einfach und zu wucher preisen) ... Plätzchen suchen und wieder einmal warten.. warten und nochmals warten...Zwischendurch mit daheim telefonieren. Was mache ich wenn das Flugzeug mich nicht mitnimmt? Mamas Freund Rolf ist mit dem auto auf dem Weg vom Süden nach Aachen. Wann wird er Frankfurt passiere? Kann er mich einsammeln?...langsam füllt sich der Raum.. wir alle schlagen die Zeit tot. Endlich 15:15, eine Stuardess kommt und nimmt am Check-In-Schalter platz. 20 Leute springen auf, viele davon mit der selben Frage im Kopf: "Wie sieht es aus mit der Warteliste.. dürfen wir mitfliegen" -- Antwort an alle per Lautsprecher: "Bitte nehmen Sie platz, wir müssen erst alle einchecken und werden sie dann beim Namen ausrufen. Noch 20-30 min Geduld"... also wieder warten... warten... gleich gesinnt sich zu gleich. Ich komme ins Gespräch mit einem ausgewanderten Schweden. Er hat die letzte Zeit in Südamerika gelebt, denn Schweden war ihm auch zu kalt. .. gemeinsam warten und hoffen.. je mehr Leute neu dazukommen und nach der Warteliste fragen, desto mehr schwindet unsere Hoffnung. Was mache ich, wenn ich hier keinen Platz bekomme. Gibt es für mich noch eine Möglichkeit auf die Medizintechnik-exkursion vom Helmholzinstitut mitzukommen? Warte ich auf den Flug um 21:00 Uhr? Wie komme ich am gescheitesten an mein Geld, meinen Koffer und wie komme ich heim? Wird es klappen, dass Rolf mich mitnimmt? Die ersten Passagiere boarden bereits... warten.. Geduld.. endlich.. die ersten Namen der Warteliste werden aufgerufen. Ich spitze die Ohren.. Der Herr neben mir atmet erleichtert auf.... Der Aufruf ist zu ende. Mein Name war nicht dabei. Enttäuschung macht sich breit. Irgendwann stehe ich auf und wandere auf und ab. Was nun?.. die Dame am Schalter arbeitet sich langsam weiter vor. Ist doch noch nicht alles vergebens?. Hoffen und warten... mein Handy klingelt, es ist Rolf.. ich würge ihn ab... warten.. Das Personal wird unruhig, die Zeit drängt... Der Flug soll losgehen.. warten.. warten... ENDLICH "Frau Linke".. ich melde mich lauthals, die Dame am Schalter erschrickt fast. Jetzt noch Ticket drucken.. ich kann es kaum fassen.. ICH FLIEGE!... Auf dem Weg zum Bus, der uns zum Flugzeug fährt, rufe Ich Rolf, Mama und Sven schnell an um diese zu benachrichtigen. Ab ins Flugzeug, auf die Rollbahn.. beschleunigen..wir heben ab... HEJDA TYSKLAND... SVERIGE, JAG KOMMER!

Nachtrag:
Ich hatte mich natürlich zu früh gefreut. Der Flug verlief zwar ohne Komplikationen, doch scheint mein Gepäck den Weg nicht bis in den Flugzeugbauch geschafft zu haben. Nach Fehlinformation habe ich dann auch noch den geschützten Bereich verlassen ohne mein Gepäck als vermisst zu melden. Draußen am Schalter reagiert lange niemand auf das Klingeln und Klopfen etc. worauf ich nochmals versuche "rein" zu kommen, d.h. warten bis wer raus kommt und dann gg den Strom durch die Schleusen zurück... Sehr zum Entsetzen der Polizeibeamten, die mich natürlich sofort wieder rausschicken... naja.. also doch warten und penetrant bemerkbar machen. Immerhin war ich nicht allein. Einem deutschen Ehepaar ging's entsprechend... Irgendwann kam doch jemand und so wird mir mein Koffer am Sonntag nachgeliefert. Jetzt geht's erst mal nach Stockholm mit dem Bus. Um 20 Uhr bin ich endlich in Stockholm. Was für eine Odyssee.