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One Day In My Life - Isabel



Sieben Jahre


Seit ich 16 bin wünsche ich mir Kinder. Damals hab ich mir noch gedacht, so mit 19, 20, vielleicht 21 ist ein guter Zeitpunkt anzufangen. Mit 18 habe ich dann meinen zukünftigen Mann kennengelernt. An Kinder nicht zu denken, zwei Jahre war er bei der Marine, ich dann einige Monate in Italien und danach haben wir angefangen zu studieren. In verschiedenen Städten. Nicht zu weit voneinander entfernt, aber nur eine Wochenendbeziehung. Nach dem ersten Studienjahr haben wir geheiratet. Das stand schon sehr lange fest, übers Heiraten haben wir das erste Mal gesprochen, da waren wir gerade ein halbes Jahr zusammen. Die Hochzeit war sehr schön und ich glücklich, nur die fehlende Aussicht auf Kinder hat mein Glück etwas getrübt. Ein Jahr später wollten wir endlich zusammenziehen und dann wollten wir uns auch an die Kinderplanung machen. Deshalb habe ich zwei Monate vorher die Pille abgesetzt. Doch auf einmal bekam ich richtig starke Regelschmerzen, die nicht nur während der Regel auftraten, sondern auch dazwischen. Sie waren so stark, daß sie nur im Liegen erträglich waren oder mit Tabletten. Die Ärztin konnte (natürlich) nichts finden, sagte aber, es bestünde die Möglichkeit, daß ich eine Krankheit habe, die man so von außen nicht feststellen kann. Und die zu Kinderlosigkeit führen kann.
Man kann sicht nicht vorstellen was das für mich bedeutete. Ich war mittlerweile 22, wünschte mir seit 6 Jahren Kinder und glaubte mich nun endlich dem Ziel näher, und dann würde ich vielleicht nie Kinder kriegen können... Ich habe einige Zeit gebraucht um mein Leben wieder in den Griff zu kriegen.
Dann zog mein Mann endlich zu mir. Nun konnten wir zusammenleben und das haben wir genossen. Auch wenn die Gefahr bestand, daß ich nicht schwanger werden würde. Die ersten Monate würden wir es ohnehin erstmal probieren müssen. Aber schon die zweite Regel blieb aus! Ich bin also zu meiner Ärztin, die meinte aber nur, ich wäre zwar schwanger, sie könnte aber kein Embryo sehen, ich solle doch in ein bis zwei Wochen noch einmal wiederkommen. Also wieder keine Freude, aber Hoffnung. In der Woche darauf war ich wieder bei ihr. Auf dem Ultraschallbild war ein großer schwarzer Fleck zu sehen, die Fruchtblase, und in einer Ecke ein paar helle Pixel: der Embryo! Sie zeigte mir dann einen blinkenden Punkt: das Herz! Selbst das Herz schlug schon! In der sechsten Schwangerschaftswoche und gerade vier Millimeter groß! Ich war überglücklich. Mit 23 war ich endlich schwanger! Mein Leben wurde schlagartig schöner, ich genoss jeden Tag, das Essen schmeckte doppelt so gut (wohl auch durch die verfeinerten Geschmacks- und Geruchsnerven), die BH's paßten auf einmal (Körbchengröße A ist meist zu groß)... Und mir ging es vergleichsweise gut, gegenüber dem, was ich von anderen Schwangeren so höre... Schnell wurden auch meine Hosen eng. Eigentlich zu früh, das käme aber auch durch die gerabgesetzte Verdauungstätigkeit, sagte die Ärztin, außerdem bin ich sonst sehr schlank, da sieht man jedes bißchen. Wir fingen an unsere Zukunft zu dritt zu planen: wer hat noch ein Babykörbchen?, wo kommt die Wickelkommode hin?, wo kann man was für Geld beantragen?, ... Schlafen sollte das Kind mit im Schlafzimmer, unser Bett nach hinten geschoben damit Platz ist, und dann an meine Bettseite. Ich habe mir richtig vorstellen können, wie das Körbchen in ein paar Monaten dort stehen würde. Und wie habe ich mich erst auf Weihnachten gefreut! Die Adventszeit stand kurz bevor. Das würde das schönste Weihnachten überhaupt werden! Aber vorher ist erster Ultraschall. Dann würde ich endlich wissen wie groß es mittlerweile ist und ein Bild sehen! Nun ist der große Tag da und ich bin wieder bei der Ärztin. Sie guckt also und meint dann: "Frau Bergmann, es sieht nicht gut aus. Ich glaube, es ist tot."

28.11.2004; Ultraschall am 24.11.2004, genau einen Monat vor Weihnachten